Im Ohr vs Hinter dem Ohr Hörgerät – Was ist besser?

Heutige Hörgeräte sind nicht mehr vergleichbar mit den Produkten, die noch vor wenigen Jahrzehnten den Alltag hörgeschädigter Menschen bestimmten. Damals waren die Geräte in erster Linie groß, schwer und meist hautfarben. Mittlerweile haben die Forschung und Entwicklung rund um Hörgeräte dazu geführt, dass die aktuellen Produkte deutlich kleiner, leichter und vor allem auch leistungsfähiger sind. Wer heute ein Hörgerät erwirbt, kann dabei zwischen Geräten auswählen, die entweder im Ohr oder hinter dem Ohr sitzen. Ein Hörgerät hinter dem Ohr kann dabei auch als kaum spürbare offene Versorgung angepasst werden, sofern der eigene Hörverlust dazu passt. Wir erklären euch welche Vor- und Nachteile die beiden Gerätearten haben.

Hörgeräte im Ohr

Ein Hörgerät, das optisch nahezu vollständig im Gehörgang verschwindet, wird als IdO-Gerät (IdO = in dem Ohr) oder auch IO-Gerät (IO = im Ohr) bezeichnet. Die Form zeigt eine Art S-Kurve mit einem kleineren und einem etwas größeren Ende. Der kleinere Teil wird vor dem Trommelfell platziert, der größere liegt unmittelbar an der Öffnung des Ohres. Nutzer finden dort die kaum sichtbare Schalter, die das Regulieren der Lautstärke sowie das Ein- und Ausschalten ermöglichen. Alternativ sind nahezu alle modernen Hörsysteme im Ohr auch bequem per Smartphone-App oder Fernbedienung einstellbar. Auch die winzige Batterie ist hier in einem kleinen Fach untergebracht.

Vorteile

Der entscheidende Vorteil der im Ohr befindlichen Hörgeräte ist ihre Unauffälligkeit. Sie sind recht klein gestaltet und für Außenstehende kaum zu erkennen. Auch das Einsetzen geht in der Regel schnell und leicht von der Hand. Die Bauweise sorgt dafür, dass die natürliche Funktion der Ohrmuschel erhaltene bleibt und somit das Richtungshören, beziehungsweise räumliche Hören, gut funktioniert. Hierbei geht es darum zu erkennen, aus welcher Richtung ein Schallereignis genau kommt und erlaubt dadurch ein besseres Verständnis für Schallereignisse aus allen Richtungshören. So können durch besonders gut angepasste IdO-Hörgeräte sehr gute Ergebnisse im Sprachverstehen erreicht werden. Darüber hinaus werden IdO-Geräte besonders von Menschen geschätzt, die auf das regelmäßige Tragen einer Brille angewiesen sind und bieten aktuelle Vorteile in Bezug auf das Problem mit dem Tragen einer Corona-Schutzmaske. Sie haben keine Einschränkungen im Bereich hinter ihren Ohren, da das Hörgerät ohne einen Ohrbügel auskommt. Auch beim Sport sind die Geräte von Vorteil. Um alle Vorteile auszunutzen, sollte bei unseren In-dem-Ohr-Experten eine Analyse des Gehörgangs gemacht werden. Wir bei Vehr in Lingen beraten Sie gerne.

Nachteile

Die geringe Größe des Hörgerätes hat den Nachteil, dass der verfügbare Platz für die Technik und die Batterie gering ist. Die Verstärkung des Schalls erfolgt im Vergleich zu Geräten hinter dem Ohr nicht ganz so stark, sodass die IdO-Geräte in erster Linie für Menschen hilfreich sind, die lediglich einen geringen bis mittelgradigen Hörverlust haben. Weiterhin ist es wichtig, dass die Anatomie des Ohres für das Hörgerät gut geeignet ist. Nicht nur Kinder, auch manche Erwachsene verfügen über einen kleinen Gehörgang, die es kompliziert machen kann, das Produkt sicher und stabil im Ohr zu tragen. Wer sich für ein Hörgerät im Ohr entscheidet, sollte auch wissen, dass die Reinigung aufgrund der Nähe zum Gehörgang eine gewisse Umsicht erfordert. Sie ist im Vergleich zu Geräten, die hinter dem Ohr getragen werden, etwas aufwendiger. Gerne helfen wir Ihnen bei der Reinigung der Geräte.

Vier Systeme

Im-Ohr-Hörgeräte sind in vier verschiedenen Systemen erhältlich, die sich in erster Linie im Bereich der Größe voneinander unterscheiden. Je geringer die Größe, desto besser sollte der Gehörgang für das Hörgerät geeignet sein.

1) IIC-Sytem (Invisible-In-The-Canal)

Das Hörgerät ist das kleinste unter den Produkten, die im Ohr getragen werden. Es sitzt ähnlich wie eine Kontaktlinse auf dem Auge unmittelbar vor dem Trommelfell und ist von außen nicht erkennbar. Eine Mindestgröße des Gehörganges ist erforderlich, damit es genügend Halt hat.

2) CIC-System (Completely-In-The-Canal)

CIC-Hörgeräte befinden sich vollständig im Gehörgang. Sie sind äußerlich noch geringfügig zu sehen und können bei den meisten Menschen angepasst werden. Daher sind die CIC-Systeme die meistverkauften unter den Im-Ohr-Hörgeräten.

3) ITC-System (In-The-Canal)

ITC-Geräte sitzen ebenfalls im Gehörgang, dort jedoch direkt außen am Eingang des äußeren Gehörganges. Das Hörgerät ist dadurch etwas größer als beim CIC-System. Das ITC-Gerät kann aufgrund seiner Größe mit einer größeren Batterie oder einem Akku ausgestattet werden. Zusätzlich kann eine Anbindung an weitere Audioquellen wie das eigene Smartphone oder den Fernseher zuhause erfolgen.

4) Concha-System (In-The-Ear-Geräte)

Concha-Hörgeräte (Concha = lat.: Muschel) sind die sichtbarsten unter den Produkten. Sie füllen die Ohrmuschel nahezu vollumfänglich aus. Durch die individuelle Anpassung an das eigene Ohr können bei diesen Hörsystemen auch Sonderlösungen herstellen lassen. So lassen sich Hörgeräte mit minimalem Hautkontakt und Verschlusseffekt herstellen oder Deformationen des Gehörganges vorgebeugt werden. Die Produkte lassen sich farblich dem Hautton des Ohrs anpassen und sind so dennoch sehr unauffällig.

Hörgeräte hinter dem Ohr

HdO-Geräte (HdO = hinter dem Ohr) zählen zu den am meisten verwendeten Hörgeräten. Der Großteil der Technik des Gerätes befindet sich in einem Gehäuse, das hinter der Ohrmuschel getragen wird. Die Verbindung zum Gehörgang erfolgt über einen Schlauch, der den Schall leitet oder über einen kaum sichtbaren Außenhörer. Im Gehörgang befindet sich eine passgenaue Otoplastik (Ohrpassstück). Die im Vergleich zu den Im-Ohr-System mögliche umfangreichere Technik sorgt dafür, dass die Geräte auch bei schweren Formen von Schwerhörigkeit verwendet werden können und im Gehörgang wenig Material sitzt.

Hörgeräte helfen bei Tinnitus

Vorteile

Der Hauptvorteil liegt in der großen Bandbreite der Einsetzbarkeit. Es gibt kaum eine Variante von Hörverlusten, die sich durch das hinter dem Ohr getragene Gerät nicht abdecken ließe. Auch spielt die Anatomie des Ohres keine Rolle, und die Hörgeräte können entsprechend selbst von Kindern und generell Menschen mit kleinen Ohrmuscheln getragen werden. Auch wenn die Geräte auf den ersten Blick sichtbarer und im Vergleich größer erscheinen als Im-Ohr-Geräte sind sie dennoch klein und leicht und haben einen angenehmen Tragekomfort. Das Format erlaubt den Einsatz leistungsstarker Batterien oder Akkus und eine gute Bedienbarkeit. Auch die Nutzung in Verbindung mit Audiogeräten sowie Bluetooth ist möglich.

Nachteile

Die Sichtbarkeit für Außenstehende wird von vielen Menschen als größter Nachteil wahrgenommen. Darüber hinaus sind die Modelle meist für Brillenträger schlechter geeignet, weil der Brillenbügel keinen sicheren Sitz des Hörgerätes hinter dem Ohr erlaubt. Die Hör-Experten bei VEHR sind darauf geschult, jedes Hinter-dem-Ohr-Hörgerät optimal anzupassen und das Gerät unauffällig erscheinen zu lassen.

Zwei Besonderheiten

HdO-Modelle bieten mittlerweile auch kleinere Versionen und technische Besonderheiten.

1) Ex-Hörer

Die auch als Receiver-In-Canal (RIC) bezeichneten Modelle verfügen über externe Hörer. Hierbei liegt der Lautsprecher nicht mehr im eigentlichen Gerät, sondern direkt innerhalb des Gehörgangs. In der Regel sind mit dem Produkt auch kabellose Funktionen möglich.

2) Mini-HdO

Diese Hörgeräte zeichnen sich im Vergleich zu regulären HdO-Geräten durch eine geringere Größe aus. Durch den Schlauch sind die Geräte robust und nicht anfällig gegen Schmutz und Feuchtigkeit.

Fazit

Die Entscheidung für ein Hörgerät im Ohr oder hinter dem Ohr hängt einerseits vom persönlichen Geschmack und andererseits auch von den Anforderungen an das Gerät ab. Menschen mit erheblichen Einschränkungen ihrer Hörfähigkeit sind mit einem HdO-Gerät gut beraten. Wer eine Brille trägt und eine eher leichte bis mittelgradige Hörschädigung hat, kann oft auf ein IdO-Gerät zurückgreifen.
Preislich sind IdO-Geräte in der Herstellung etwas kostspieliger und übersteigen je nach Bauform häufig die Summe, die Krankenkassen als Festbetrag vorsehen. Auch technisch anspruchsvolle Ex-Hörer-Modelle zählen zu den sogenannten Zuzahlungsgeräten. Spitzenmodelle haben bei Hörgeräten ihren Preis und bieten dafür viel Leistung. Hier empfiehlt sich in jedem Fall eine ausführliche Beratung, um in jeder Hinsicht die richtige Wahl zu treffen.

Im Ohr Hörgeräte

Hinter dem Ohr Hörgeräte

Vorteile Nachteile Vorteile Nachteile
Klein und unauffällig Batterie kleiner Auch bei starkem Hörverlust einsetzbar Sichtbarkeit
Leichtes einsetzen Schallverstärkung kleiner Auch für Kinder / Menschen mit kleinem Gehörgang Eher weniger für Brillenträger / Sportler geeignet
Richtungshören möglich Nur einsetzbar bei geringem / mittelgradigen Hörverlust Leistungsstarke Batterien also weniger Laden Etwas komplizierter einzusetzen
Geeignet für Brillenträger, Sportler & Masken Reinigung aufwendiger Gute Bedienbarkeit  
       
       
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